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Von kindlicher Neugier getrieben, wird Lernen zum Spiel. Im Interview erklärt die Volksschullehrerin und zweifache Mutter Stephanie Germershausen, 26, worauf es ankommt, damit das Lernen spielerisch leicht gelingt.

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Stephanie Germershausen

Volksschullehrerin und zweifache Mutter

Was heißt spielerisches Lernen?

Dass Kinder Raum haben, sich nach ihren Fähigkeiten und in ihrem Tempo zu entfalten. Das eine Kind erfasst das Leben gern haptisch, das andere visuell – beide brauchen passende Angebote. Kinder sind neugierig auf die Welt und wollen ganz genau wissen, wie sie tickt. Wer die kindliche Neugier individuell unterstützt, bewegt selbst zurückhaltende Kinder dazu, Unbekanntes ausprobieren und dabei aus sich herauszukommen.

Wie erkenne ich, was (m)ein Kind zum Lernen braucht?

Indem ich mir Zeit nehme und das Kind in seinem Tun und Lassen beobachte, ohne mich gleich einzumischen. Dabei lerne ich das Kind und seine Eigenheiten kennen und kann darauf eingehen.

Und wenn das Kind mal keine Lust auf’s Lernen hat?

Dann ist es meine Aufgabe als Lehrerin in der Schule und als Eltern daheim, das Lernen lustvoll zu gestalten. Es gibt so viele Wege, zu lernen, die die Kinder (noch) nicht kennen. Hier werden wir Erwachsene zum Wegweiser und/oder Weggefährten – je nachdem, was das Kind an Unterstützung von uns im Moment braucht.

Brauchen Kinder Spielzeug, um spielerisch zu lernen?

Wer mit Kindern mal in der Natur unterwegs war, weiß: Sie brauchen nicht viel, um spielerisch ins Lernen zu kommen. Da wird die Wiese zum Meer, die Gartenbank zum Schiff und wenn der Teddy über Bord geht, muss er gerettet werden. Die Vorstellungskraft der Kinder kennt keine Grenzen. Und das ist gut so, denn sie hilft beim leben lernen. Nun findet das Leben natürlich nicht immer in der Weite der Natur statt. Doch auch in der Wohnung oder im Klassenraum lassen sich Anreize schaffen, die lernhungrige Kinder sättigen.

Oft reicht es schon, den Kindern Gelegenheit zu geben, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Eine „Verkleidungskiste“ mit bunten Tüchern, Bändern und mehr sorgt für Rollenspiele ohne Ende! Ich handle hier nach dem Motto „Weniger ist mehr!“. Mir kommt es bei der Wahl des Spielzeugs darauf an, dass es möglichst langlebig und vielseitig bespielbar ist. Beim Spielzeugkauf setze ich eher auf einheimisch produzierte, nachhaltige Produkte in kindergesunder Qualität.

Wie schafft man einen Raum, in dem Kinder spielerisch lernen?

Mit einer „Ja-Umgebung, die so gestaltet ist, dass ich als Erwachsener das Kind auf seiner Erkundungsreise nicht ständig mit einem „Nein!“ bremse, sondern stattdessen „Ja!“ zu dem sagen kann, was das Kind vorhat. Zuhause haben meine Kinder eine Ja-Umgebung, wo ich Gefahrenquellen wie Steckdosen gesichert und Zerbrechliches entfernt habe. Ist die Gefahr gebannt, kann das Kind ausprobieren, was es will. Und dabei spielerisch lernen.

Was ist mit Spielsachen, die die Kinder detailgetreu und realistisch mit der Erwachsenenwelt bekannt machen?

Wir bekamen eine Polizeistation mit Gefängniszelle, Polizist und Verbrecher von Bruder Spielwaren zum Testen. Wie es der Zufall wollte, ist mein Mann Polizist. So bot sich uns eine gute Gelegenheit, Papas Arbeit nach Hause zu holen und spielerisch kennenzulernen. Dabei lässt sich gut vermitteln, was Gerechtigkeit ist, wie es sich anfühlt, mal der Gute, mal der Böse zu sein, und was es bedeutet, sich an Regeln zu halten.


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