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Stillen will gelernt sein

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Die einen wollen das Natürlichste, die anderen fühlen sich unter Druck gesetzt. Das Thema Säuglingsernährung ist emotional belastet und spaltet die Geister.

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Dr. Gudrun Böhm

VSLÖ Vizepräsidentin © Taumer Fotografie

Jede Frau bemerkt schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft Veränderungen in ihrer Brust. Über neun Monate entwickelt sich die Brust, der Drüsenkörper reift heran und kurz vor der Geburt merken manche Frauen, dass schon wertvolles Kolostrum vorhanden ist, das dem Baby als erste Nahrung dient.

In Österreich geben 95 Prozent aller Frauen an, stillen zu wollen. Leider ist es nicht so, dass Stillen die natürlichste Sache der Welt und quasi ein Instinkt ist. Stillen ist eine erlernte Fähigkeit. Und Lernen gelingt nicht von einem Tag auf den anderen. Schmerzen, schlechte Gewichtszunahme des Babys und die Angst, zu wenig Milch zu haben, sind Hauptursachen, warum Frauen an ihrer Fähigkeit, stillen zu können, zweifeln und schlussendlich früher als geplant abstillen.

“Buntes Stillen” als Alternative

Speziell ausgebildete Stillberaterinnen IBCLC (international board certified lactation consultant) haben das Fachwissen, das vielen Frauen helfen kann. Dabei geht es nicht immer darum, das Ziel „Vollstillen“ zu erreichen. Es gibt auch Mutter-Kind-Paare, für die das „Bunte Stillen“ die optimale Versorgung darstellt. Dabei erhält das Baby Muttermilch und zusätzlich künstliche Säuglingsnahrung. Auch für das Zufüttern gibt es mehrere Optionen: Man kann mit der herkömmlichen Flasche füttern, aber auch an der Brust über dünne Schläuche Nahrung zugeben. Schon Neugeborene können aus speziellen Bechern trinken. Den Ideen, die sich immer an den Voraussetzungen und Wünschen des Stillpaares orientieren, sind kaum Grenzen gesetzt. Auch Frauen, die nicht stillen können oder wollen, sollten sich nicht scheuen, Hilfe von IBCLCs in Anspruch zu nehmen. Diese verfügen über ein breites Spektrum an Wissen, das weit über die Brust und die reine Muttermilchernährung hinausgeht.

Bonding

Beim Stillen passiert Bindungsaufbau quasi nebenbei durch den direkten Hautkontakt. Deshalb ist es so wichtig, dass auch Flaschenbabys richtig gehalten werden, dass auf ihre Bedürfnisse nach Nähe eingegangen wird und dass der Aufbau einer guten Bindung unterstützt wird. Fragen einer nicht-stillenden Mutter, wie: „Bin ich jetzt eine schlechte Mutter?“ oder: „Wie kann ich zum optimalen Beziehungsaufbau beitragen?“ sollten kompetent beantwortet werden, um nicht zu schlechtem Gewissen oder Frustration zu führen. Gut begleitet kann jede Frau den zu ihr passenden Weg finden und sollte sich auch nicht vor anderen rechtfertigen müssen.

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