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Vom Großwerden und Geborgensein

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Kinder wollen von Geburt an die Welt verstehen und daran teilhaben. Bereits das Baby setzt sich auf seine ganz eigene Weise mit seiner Umgebung auseinander.

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Veronika Lippert

Obfrau der Elternwerkstatt

Wie riecht das gut und so kuschelweich. Schön zu wissen, willkommen zu sein und geliebt zu werden. Die Nähe ist so beruhigend und ich fühle mich geborgen. Die Stimmen klingen liebevoll und innig besonders, wenn sie mir ins Ohr flüstern. Baden ist für mich eine einzige Wohltat. Danach beim Umziehen, liebe ich es massiert zu werden. Habe ich Hunger, melde ich mich kurz und sofort ist alles da, was ich brauche. Es wird für mich gesorgt.
Auf meiner Decke sehe ich lustiges Spielzeug über mir schweben, manchmal kann ich es schon berühren, das ist toll. Dann muss ich lachen und alle freuen sich darüber. Ich spüre die Ermunterung, mich umzudrehen und dieses Zutrauen ist eine wunderbare Empfindung und so bemerke ich, wie ich immer mobiler werde.

Ich kann mich fortbewegen. Zuerst habe ich mich ja ein bisschen geärgert, dass das Spielzeug immer weiter weggelegt wurde, doch dann musste ich zugeben: Es zahlt sich aus, zu üben. Außerdem ist mir ja Zuspruch und Motivation entgegengebracht worden, das hat geholfen.
Jetzt ist es endlich soweit: Ich kann laufen, ich bin unabhängig. Von weiter oben schaut alles ganz anders aus. Alles wird entdeckt und erforscht. Gut, dass mir gezeigt wird, worauf ich achten soll. Da sind mir die vielen Lieder und Gedichte eine gute Unterstützung. Es macht mir so viel Vergnügen, mir das alles zu merken. Dazwischen hole ich mir wieder Kraft und Geborgenheit beim Kuscheln. Besonders liebe ich das Spiel „Schupfen“. Hoch in die Luft und wieder aufgefangen werden, oh wie schön ist es, sich wieder sicher fühlen zu dürfen.

Ein wenig nervt immer dieses „Nein“. Doch langsam bergreife ich, dass dieses „Nein“ aus Liebe und Schutz gesagt wird. Dafür wird mir gezeigt, wie ich Dinge selbst machen kann, und dann sind alle sehr stolz auf mich. Außerdem kann ich ja nun auch schon mit Worten Kontra geben.
Jeden Tag gibt es bestimmte Abläufe, das ist gut, so kann ich mich darauf einstellen. Beim Essen koste ich nun schon ganz unterschiedliche Dinge. Manches schmeckt mir, manches nicht so sehr. Doch es ist toll, wenn ich es schaffe, mit dem Löffel den Mund zu treffen. Naja, jetzt bin ich eben schon groß.

Das mit dem Großsein ist so eine Sache. Einerseits freuen sich alle, wie selbständig ich bin, doch dann machen sie einfach nicht, was ich will. Da gibt es schon auch Diskussionen. Ich habe jetzt auch schon meinen eigenen Willen. Doch eines spüre ich ganz fest, ich werde geliebt, so wie ich bin. Nur manchmal greifen sie ein und zeigen mir, wie ich es besser machen kann. Damit kann ich gut leben Jetzt bin ich bereit für neue Herausforderungen.

Im Kindergarten warten neue Herausforderungen. Zuerst war mir mulmig zumute, doch jetzt genieße ich meine neue Selbständigkeit. Wir singen, tanzen und malen. Sogar das Ausmalen gelingt schon gut. Besonders die Bücher gefallen mir, da kann ich die Welt in Bildern entdecken.

Ein wenig habe ich gebraucht, doch langsam sind mir die Regeln im Kindergarten vertraut, es ist wohl gut, dass sie für alle gleich gelten. Das mit dem Teilen fällt ab und zu noch schwer. Doch da gibt es einen Spruch: „Einmal der und einmal der und das Leben ist nicht schwer!“ Ja auch das gehört zum Großwerden dazu. Es gibt schöne Feste und schon die Vorbereitung dafür macht Freude. Führen wir dann noch ein Lied oder ein kleines Theaterstück auf, bin ich aufgeregt. Doch danach ist es ein tolles Gefühl, es geschafft zu haben. Da bin ich meistens sehr müde, wenn ich heimkomme. Gut, dass sie mich da verstehen.

Jetzt habe ich auch eigene Freunde, ganz für mich. Oft besuchen wir uns gegenseitig und gleich begeben wir uns in unsere Zauberwelt, in der alles lebendig ist und wir unzählige Abenteuer miteinander erleben. Es gibt einiges zu entdecken, ich freue mich auf jeden neuen Tag. Das Mithelfen zuhause geht auch schon besser. Salat putzen gehört zum Beispiel zu meinem Spezialgebiet. Es ist schön, gelobt zu werden – so traue ich mir schon einiges zu.

Am Wochenende unternehmen wir oft etwas und manchmal sind wir faul, das ist dann sehr gemütlich. Das gemeinsame Essen am Abend mag ich. Da sehe ich alle und jeder berichtet vom Tag. Das gibt einfach ein Gefühl der Sicherheit. Beim Einschlafen finde ich es großartig, dass immer jemand bei mir ist und mir vorliest. Dann darf ich noch erzählen, was am Tag alles so los war. Zum Schluss kommt das Kuscheln, das liebe ich besonders.

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